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Donnerstag, 22.10.2009
Marathon-Serie: Der Abschluss

Katrin Schumann und Jürgen Winkelhöfer Katrin Schumann und Jürgen Winkelhöfer sind Leser unserer Zeitung. Sie haben ein Marathon-Training gewonnen und schilderten uns abwechselnd ein Jahr lang ihre Eindrücke. Während sich Winkelhöfer in Magdeburg die volle Distanz zutraute, lief Schumann nach langen Trainingspausen wegen Verletzungen und Krankheiten die 13-Kilometer-Strecke. Beide erzählen, wie es ihnen im Wettkampf ergangen ist.

Ein Jahr Training für nur einen Lauf
Jürgen Winkelhöfer: Mit meinen Kräften bin ich am Ende und doch könnte ich die ganze Welt umarmen

Von Jürgen Winkelhöfer
Sonntag, 18. Oktober 2009 – Marathontag. Der Wecker reißt mich aus einer unruhigen Nacht. Ein Blick aus dem Fenster zeigt es deutlich: Der Wunsch nach einem goldenen Oktobertag mit sonnigen 15 Grad an meinen Wettkampftag wird mir nicht erfüllt. Und doch haben die Wetterfrösche ein Einsehen, der Regen der letzten Tage hat sich verzogen. Geblieben sind dicke Wolken und frostige fünf Grad. Nicht gerade ideales Marathonwetter, aber durchaus ausbaufähig, immerhin ist es ja auch noch früh am Morgen.

Um meinen bereits durch die Anspannung gereizten Magen nicht noch mehr zu verunsichern, muss ein leichtes Frühstück ausreichen. Für später lege ich mir ein paar Bananen und Powerriegel in meine Sporttasche.

Treffpunkt mit den Trainern und meinen Mitstreitern sind die Messehallen in Magdeburg. Hier treffe ich auch Andrea, meine Team-Läuferin. Beim gemeinsamen Durchlaufen der Höhen und Tiefen des Trainings im vergangenen Jahr hatten wir erkannt, dass wir beim Laufen sehr gut harmonieren. So war die Idee, den Marathon gemeinsam im Team zu erleben, schnell geboren.

Es bleiben nur noch wenige Minuten für die letzten wichtigen Handgriffe. Ist die Startnummer gut befestigt? Sitzt der Chip für die Zeitnahme fest am Schuh? Habe ich genügend kohlenhydrathaltige Energy-Gels dabei? Nur wenige Minuten später finde ich mich inmitten der mehr als fünftausend Läufer am Start wieder. Vorn an der Startlinie wird das nervöse Läuferfeld von bärenstarken Footballern im Zaum gehalten. Endlich der erlösende Startschuss – das Abenteuer beginnt.

Die ersten zehn Kilometer führen uns durch die Innenstadt. Für die richtige Stimmung sorgen hier die vielen Zuschauer. Mit Pauken und Trompeten feuern sie die Läufer an. Schon bald biegen die 13-Kilometer-Läufer ab. Sie haben ihr Ziel schnell erreicht. Nach ein paar Kilometern teilt sich das Läuferfeld noch einmal. Nachdem nun auch die Halbmarathonläufer ihre eigenen Wege gehen, bleiben wir mit 500 Teilnehmern auf der Marathonstrecke.

Die Nervosität nach dem Start ist nun endlich der erforderlichen Ruhe gewichen. Noch halte ich mich fit genug für die kommenden 30 Kilometer entlang der Elbe. Alle fünf Kilometer passieren wir eine Verpflegungsstation. Mit viel Engagement werden hier Getränke Obst und der für die Region typische warme Haferschleim gereicht. Bisher läuft alles nach Plan. Die Geschwindigkeit stimmt, die Stimmung ist gut und manchmal schaut sogar die Sonne durch die Wolkendecke.

Kilometer für Kilometer streicht die Landschaft an uns vorbei. Bei strahlendem Sonnenschein erreichen wir den Wendepunkt. So langsam spüre ich meine Beine deutlicher. Das Hinweisschild, das bekundet, dass bereits 25 Kilometer hinter uns liegen, tröstet kaum, zeigt es doch auch, dass noch 17 vor uns liegen.

Kurze Zeit später, so bei Kilometer 29, werden meine Beine aller Kraft beraubt. Die Schritte werden schwerer und schwerer. Zu meinem Glück treffen wir auf die Betreuer unserer Trainingsgruppe. Sie begleiten die Läufer mit dem Fahrrad und geben Getränke und – wenn notwendig – auch ein wenig Motivation aus. Ich nehme von beidem eine große Portion. Bald geht es mir wieder besser. Weiter geht’s.

Nach 35 Kilometern frage ich mich ernsthaft, wer mich zur Teilnahme am Marathon überredet hat. Es kann unmöglich mein freier Wille gewesen sein. Wenige Kilometer später ist dieser Gedanke wieder verschwunden, so wie alle anderen Gedanken in meinem Kopf auch. Ich habe nur noch den Zieleinlauf vor Augen. Auf den letzten Kilometern überholen wir einige Läufer, die sich mit Krämpfen plagen oder einfach nur eine kleine Erholungspause einlegen.

Gern würde ich auch ein paar Schritte gehen, aber meine Team-Läuferin lässt so etwas nicht zu. Nicht jetzt, so kurz vor dem Ziel. Und dann ist es erreicht. Nach gut 42 Kilometern laufen wir über die Ziellinie. Geschafft – in 4:37:56 Stunden. Wir haben tatsächlich die Marathonstrecke hinter uns gebracht. Ich erlebe einen Gefühlscocktail aus Erleichterung, Stolz und Freude. Mit meinen Kräften bin ich am Ende und doch könnte ich die ganze Welt umarmen.

Wieder Zuhause beende ich den Tag mit einem heißen Wannenbad. Abgeschlossen ist damit das Abenteuer des ersten Marathons. Für dieses Ziel hatte ich zwölf Monate viel Zeit und Motivation investiert. Es war nicht immer einfach und letztendlich bin ich froh, dass es vorbei ist.

Mit extremem Kniehub über die Ziellinie
Von Katrin Schumann

Zwischen aufgeregten angehenden Marathonläufern, einem mitgebrachten Marmorkuchen und dem Fass mit Sportgetränk drin muss ich mir helfen lassen – beim Befestigen der Startnummer. Inmitten Tausender anderer ambitionierter, ängstlicher, wagemutiger, energiegeladener Läufer versuche ich, mir noch etwas Platz zu schaffen für ein paar kleine Wadendehnungen.

Einen Startschuss höre ich nicht, ich laufe einfach mit den anderen zusammen los. Es ist ein sehr schönes Gefühl. Vergessen sind die Aufregung, das nervöse Gezitter und die drei durchwachten Nächte vorher.

Auch die Achilles-Sehne scheint sich nicht mehr daran erinnern zu können, dass sie irgendwann nicht ganz rund lief. Von ihr merke ich überhaupt nichts. Mit meinem Atem kann ich gut haushalten, zwischendurch pruste ich mal wie ein fröhliches Pferdchen.

Und dann nach einer Weile entdecke ich ein Schild: "3 km" – Was?! Erst DREI??! Also, getippt hätte ich eher so auf fünf. Einige nett applaudierende Laufbesucher später: Ja! Da! Die erste Verpflegungsstation! Nein, ich muss nichts mampfen, ich habe einfach Durst! Denn das hatte ich seit dem Aufstehen um sieben Uhr vor dem Lauf auch leider nicht mehr geschafft – etwas zu trinken.

Als ich die 10-km-Markierung passiere, freue ich mich schon mal und denke: Das war bisher das weiteste, die drei Kilometer, die jetzt noch kommen, sind ein kleiner Bonus. Das schaffst du! Leider ziehen sich die beiden nächsten Kilometer durchs Messegelände ziemlich in die Länge. Umso mehr bin ich innerlich voller Ehrfurcht, als ich die beiden Schilder sehe auf denen "42" und "21" steht. Aber das heißt ja, "Ja! Ich bin dem Ziel schon sehr nahe!"

Ich werde immer schneller, biege in die Zielgerade ein, gesäumt von Schaulustigen, einige andere Läufer sind mir noch im Weg, meine Geschwindigkeit scheint immer mehr anzusteigen, mit extremem Kniehub und in gefährlicher Schräglage erreiche ich das Ziel. Noch etwas mulmig gehe ich ein paar Schritte, und eine Frau steht vor mir, ich senke den Kopf und sie hängt mir eine Medaille um. So eine haben zwar all die anderen Läufer auch, aber ich freu mich total.

VLG 1991 Magdeburg